Prozess First, KI Second

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Aktuell gibt es nur wenige Unternehmensbereiche, die nicht drohen, von Künstlicher Intelligenz (KI) verändert zu werden. Denn alle Prozesse sollen schneller, effizienter und automatisierter werden.

Doch in der Praxis zeigt sich: Der Einsatz von KI entfaltet nur dann seine magische Wirkung, wenn die zugrunde liegenden Prozesse sauber gestaltet sind.

Denn KI kann zwar viel. Aber sie rettet keine schlechten Prozesse.

Prozessmanagement als Grundlage für KI und Automatisierung

Bevor Unternehmen über KI, Automatisierung oder Digitalisierung nachdenken, sollte Klarheit im Prozessmanagement herrschen. Die zentralen Fragen dabei:

  • Wie sieht unser Ist-Prozess heute aus?
  • Wie müssen wir unseren Soll-Prozess gestalten?

Viele Unternehmensprozesse sind bereits modelliert und visuell gut aufbereitet. Und ja, eine saubere Prozessdarstellung ist wichtig – ersetzt jedoch nicht die inhaltliche Bewertung. Entscheidend ist, ob der Prozess logisch aufgebaut, effizient und praxisnah ist.

Prozessmodellierung: Mehr als gute Visualisierung

Ja, professionelle Prozessmodellierung sorgt für Transparenz. Denn modellierte Prozesse machen Abläufe verständlich und zeigen Abhängigkeiten auf. Doch: Ein grafisch sauber modellierter Prozess ist nicht automatisch ein guter Prozess.

Erst wenn etwa die notwendigen Schritte klar sind und die Stellen feststehen, an denen menschliche Entscheidungen benötigt werden, lässt sich beurteilen, ob ein Prozess für Automatisierung, Digitalisierung oder KI überhaupt geeignet ist.

Prozessoptimierung statt blinder Vollautomatisierung

Gezielte Prozessoptimierung ist also viel sinnvoller als stupide Vollautomatisierung.

Praktisches Beispiel: Rechnungseingang
Eingehende Rechnungen werden im Unternehmen geprüft und anhand definierter Kriterien verarbeitet. Hier kann sinnvoll automatisiert werden, denn mit knapp 80 Prozent der eingehenden Rechnungen könnte der Großteil systemgestützt durchlaufen. Nur 20 Prozent sind Sonderfälle oder Abweichungen, die gezielt von Mitarbeitenden geprüft werden müssen.

So entsteht ein effizienter Prozess, der Automatisierung und menschliche Expertise kombiniert, ohne sich in technischen Details zu verlieren.

Künstliche Intelligenz (KI) sinnvoll in Prozesse integrieren

Die zentrale Frage lautet deshalb nicht, ob KI einen gesamten Prozess „übernimmt“. Entscheidend ist, an welchen Stellen KI sinnvoll eingebunden wird.

Besonders wirkungsvoll ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz:

  • an fachlichen Prüfstellen
  • bei Entscheidungsunterstützung
  • bei der Erkennung von Mustern, Auffälligkeiten oder Abweichungen

KI wird so zum unterstützenden Bestandteil eines klar strukturierten Prozesses – nicht zum Selbstzweck, sondern als gezielter Effizienztreiber.

Fazit: Gute Prozesse sind die Basis für erfolgreiche KI-Projekte

Prozesse sind das Fundament jeder Digitalisierung, Automatisierung und KI-Einführung. Erst wenn Ist- und Soll-Prozesse sauber definiert, sinnvoll modelliert und gezielt optimiert sind, können moderne Technologien ihren Mehrwert entfalten.

Oder anders gesagt:
Ein guter Prozess wird mit KI besser. Ein schlechter bleibt schlecht.

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